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Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung



Außer den linearen Abschreibungen sind Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA) zulässig (§ 7 Abs.1 Satz 7 EStG). Sie sind richtiger Ansicht nach bei sämtlichen Wirtschaftsgütern aller Einkunftsarten möglich; dagegen beschränkt sie die noch herrschende Meinung bei Bilanzierung auf abnutzbare Wirtschaftsgüter im Anlagevermögen, also insbesondere ohne das Umlaufvermögen. AfaA sind von der Teilwertabschreibung (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 und Nr. 2 Satz 2 EStG) zu unterscheiden. Sie setzen eine außergewöhnliche Abnutzung voraus, sei es technischer Art, z.B. durch Beschädigung oder Zerstörung, auch bei Naturkatastrophen (siehe Umweltschutz), sei es wirtschaftlicher Art. vor allem wegen Unrentabilität.
Wirtschaftlich abgenutzt erscheint z.B. eine Maschine, sobald sich ihr Betrieb wegen der Erfindung oder Anschaffung eines weit besseren Geräts für niemanden mehr lohnt. Ebenso wurde für den Werbungskostenabzug wegen der verbrauchten Einrichtungsgegenstände nach Aufgabe der Vermietung einer möblierten Wohnung entschieden.
Zur speziellen Problematik der AfaA bei Häusern vgl. Gebäudeabschreibung - Privatvermögen.
Die AfaA scheidet aus, wenn die außergewöhnliche Abnutzung noch im selben Jahr durch eine Versicherung voll ersetzt wird; das wurde z.B. für den Pkw-Schaden eines Arbeitnehmers während einer beruflichen Fahrt entschieden. Wird der unfallgeschädigte Pkw repariert und weiterhin genutzt, so sind nach der bisherigen Praxis nur die tatsächlichen Reparaturaufwendungen als Erhaltungsaufwand abziehbar; der sog. merkantile Minderwert ist dann nicht als Werbungskosten zu berücksichtigen. Wird der während einer Betriebsfahrt beschädigte Privat-Pkw nicht repariert, ist die AfaA nach den Anschaffungskosten abzüglich der normalen AfA zu bemessen. Das gilt auch für einen Arbeitnehmer-Pkw, der bei einer beruflichen Fahrt beschädigt wird.
Streitig ist, ob es ein Wahlrecht für die AfaA gibt. Jedenfalls ist sie in dem Jahr vorzunehmen, in dem die außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung eingetreten ist bzw. entdeckt wird. Also darf bei einem Kraftfahrzeugunfall nicht (mehr) die Erkenntnis abgewartet werden, welchen Schaden man selbst zu tragen hat. Eine bloß zu erwartende Versicherungsleistung steht der AfaA nicht entgegen.
AfaA können bei allen Einkunftsarten vorgenommen werden. Regelmäßig werden sie neben den normalen AfA anzusetzen und mit diesen zusammenzufassen sein. Sie können auch neben erhöhten Abschreibungen in Anspruch genommen werden; nicht dagegen neben der degressiven AfA (§ 7 Abs. 2 Satz 4 EStG), doch kann ggf. von der degressiven zur linearen AfA gewechselt werden (§ 7 Abs. 3 EStG); siehe auch Tz. 6.2 a. E.
Entfällt der Grund für die AfaA in späteren Wirtschaftsjahren, ist nur bei Bilanzierung eine entsprechende

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